|
| |
|
ENTSTEHUNG UND
WERDEGANG - DER HFFG IN DER HAMBURGER FUSSBALLSZENE
|
| |
Spielst Du eigentlich
Fußball?- -Ja, aber nur Kneipenfußball.- So etwa könnte ein Dialog
aussehen, wie er sicherlich schon tausendmal geführt worden sein mag und
leider wohl auch noch heutzutage geführt wird. Um es vorwegzunehmen:
Dieses Zitat des sogenannten -Kneipenfußballe- wurde an dieser Stelle
hiermit gleichzeitig das erste, das letzte und das einzige Mal benutzt,
denn der Begriff ist bereits seit geraumer Zeit ebenso unzeitgemäß wie
irreführend.
Die Bezeichnung hatte sicherlich irgendwann einmal seine Berechtigung,
das soll keinesfalls verleugnet werden, doch zu viele negative
Assoziationen waren und sind mit dem Begriff verbunden. Das Bild des
bierbäuchigen Kneipenhelden, der sich am Wochenende, wahrscheinlich mit
einem -angemessenen- Blutalkoholgehalt, auf dem Fußballplatz trollt, ist
noch zu allgegewärtig.Die heute Realität sieht dagegen glücklicherweise
anders aus:
Tatsache ist, daß der Freizeitfußball in Hamburg zwar langsam, aber
kontinuierlich eine vielfältige Wandlung in mehrerer Hinsicht erfahren
hat: Diese Wandlung fängt bei der Organisation der gesamten Bereiches
des Freizeitfußballes an, führt über die zunehmende Akzeptanz des
Freizeitfußballes im sportgesellschaftlichen Leben und äußert sich
schließlich schlicht in der steigenden sportlichen Qualität und somit im
gesamten Erscheiungsbild. Es ist keineswegs übertrieben, das sportliche
Potenzial einer guten Freizeitmannschaft mit dem einer unterklassigen
Vereinsmannschaft zu vergleichen.
Man mag sich fragen, worin denn nun eigentlich noch der Unterschied
zwischen den Freizeitfußball und dem klassischen Vereinsfußball besteht.
Nun, diese Frage ist leicht zu beantworten: Eine Tätigkeit als
Vereinsfußballer setzt naturgemäß zunächst einen geregelten
Trainingsbetrieb voraus, der je nach Klasse bis zu viermal wöchentlich
ansteht. Im Zeichen der gesellschaftlichen Wandlung hin zu mehr
Flexibilität im Berufsleben und vielfältigerer Freizeitgestaltung ist
ein gewisses Umdenken vieler Menschen auf diesem Sektor erfolgt: Die
freie Zeit wird sich ganz einfach anders eingeteilt; viele Sportler sind
nicht mehr dazu bereit, derartig viel Zeit bespielsweise in einen
Trainingsbetrieb zu investieren. Ein wieterer Grund ist sicherlich die
wieder zunehmende Bedeutung der Familie, die ja auch ihren Platz im
Leben des Fußballers einnehmen will. Nimmt man den nicht unbedeutenden
Aspekt des Leistungsdrucks in Vereinsmannschaften, der eher zu- als
abgenommen hat, hinzu, ist es nicht mehr verwunderlich, daß sich viele
Fußballer für den Freizeitfußball und gegen den klassischen Vereinssport
entscheiden. Insofern ist es nur zu verständlich, daß die meisten
klassischen Vereine im Freizeitfußball einen gleichzeitig unliebsamen
Konkurrenten wie auch einen ernstzunehmenden Partner bezüglich der
eigenen Interessen sehen müssen. Die einzelnen Vorgehensweisen der
klassischen Vereine sind auf diesem Gebiet sehr vielfältig, die Palette
reicht von partnerschaftlicher Kooperation über sturer Ignoranz des
Faktors Freizeitfußball bis hin zur unverhohlenen Ablehnung und
Bekämpfung.
Es gibt aber auch zahlreiche fußballbesessene Sportler, und das soll
nicht negativ interpretiert werden, die sowohl in einem etablierten
Verein als auch in einer Freizeitmannschaft ihrem Hobby frönen. Die
gewisse Konkurrenzsituation birgt natürlich so einige Probleme in sich,
besonders dann, wenn die eine Seite in der anderen eben diese Konkurrenz
im Vordergrund sieht und zu einem kooperativen Nebeneinander nicht
bereit ist, eine immer wieder sehr leidige Erfahrung für do manchen
Freizeitfußballer.
Bei der Betrachtung der Rolle des Betriebssportes wird es deutlich: Die
HFFG hat im Grunde, allerdings weitaus später, nichts anderes vollzogen,
als wie es der Betriebssportverband schon viel eher getan hat: Der
Aufbau eines Wirkungsfeldes für Sportler außerhalb der etablierten
Vereine. Daß der Bedarf dafür vorhanden war und nach wie vor ist,
belegen die Mitgliederzahlen. Der Freizeitfußball gewinnt jedoch
gegenüber dem Betriebssport insbesondere in Zeiten abnehmender
Identifikation vieler Arbeitnehmer mit ihrem Arbeitgeber immer mehr an
Bedeutung.
Eines bleibt jedenfalls festzustellen: Mit dem kooperativen Anschluß der
HFFG an den Hamburger Fußballverband im Jahre 1983 und dem Beitritt zum
Hamburger Sportbund im letzten Jahr (1997) wurden Meilensteine gesetzt
und den Zeichen der Zeit wirkungsvoll Rechnung getragen. Der damit
verbundene organisatorische Wandel der HFFG ist hier nur eine logische
Konsequenz und hat den mannigfaltigen Vorteilen für den
Freizeitfußballer erst eine verläßliche Grundlage gegeben.
Aber auch die Strukturen der der HFFG angehörigen Vereine, korporative
HFFG-Mitglieder genannt, hat eine deutliche Wandlung erfahren: Waren es
anfangs fast ausschließlich reine Kneipenmannschaften, die sowohl ihren
Namen als auch ihr Domizil eben in einer Gaststätte fanden, beträgt der
heutige Anteil von Freizeitmannschaften, die eine Gaststätte bisher nur
von außen gesehen haben, bereits um die zwanzig Prozent. Bei den Namen
tauchen dann auch solche wie beispielsweise Vorwärts Langenhorn, FFC
Hummelsbüttel oder Borussia Barmbek auf, vor fünfundzwanzig Jahren
völlig undenkbar.
Die Präsenz der HFFG in den Hamburger Medien ist eine Sache mit viel
Licht, aber noch mehr Schatten. Im Bereich des Fernsehens hat sich der
Hamburger Sender HH-1 sehr aufgeschlossen gezeigt und führt die HFFG in
ihrem Videotext, bisher leider nur die Oberliga ( JETZT LEIDER GAR NICHT
MEHR). Die Rundfunksender stehen dem Hamburger Freizeitfußball ebenfalls
recht aufgeschlossen gegenüber, es wäre allerdings wünschenswert, wenn
sich eine Berichterstattung weniger auf originelle Effekte, als mehr auf
Inhalte beziehen würde.
Innerhalb der Presselandschaft gibt es gewltige Unterschiede: Während
die HFFG in der auflagenstärksten Tageszeitung ihren festen Platz hat,
weigert sich der kleine Konkurrent immer noch beharrlich, auch nur eine
Spielansetztung des Freizeitfußballes zu veröffentlichen. Diese Zeitung,
die sich eine moderne und zeitgemäße Berichterstattung auf ihre
Fahnegeschrieben hat, muß in dieser Hinsicht die Zeichen der Zeit
offenbar übersehen haben... Schließlich gibt es in der Hamburger
Presslandschaft noch die aus Inserentenanzeigen finanzierte und somit
kostenlose FUSSBALL-VORSCHAU, die ausführlich über den Hamburger
Amateurfußball berichtet und jahrelang offizielles Sprachrohr der HFFG
gewesen ist. Das hat sich zwar mit dem Anschluß der HFFG an den
Hamburger Fußballverband geändert, der Berichterstattung über die HFFG
tat das jedoch keinen Abbruch: Diese ist nach wie vor ausführlich und
vorbildlich. (WURDE ZUR SAISON 2003/2004 EINGESTELLT)
Gegründet wurde die HFFG im Jahre 1973, damals noch HFTG ( Hamburger
Fußball-TRESEN-Gemeinschaft ): Es war ein ehemals lockerer
Zusammenschluß von Menschen, die schon damals erkannt haben, daß
Fußballsport auch außerhalb etablierter Vereine viel Spaß machen kann,
und, daß es den Interessenten aufgrund ihres Beitrages zum Gemeinwesen
durch ihre Zahlung von Steuern durchaus zusteht, staatliche Sportstätten
in Anspruch zu nehemn. Die Umsetzung dieses berechtigten Anliegens
steckte freilich noch in der Entwicklungsphase: Da wurde jedes einzelne
Spiel individuell mit -wohlgesonnenen- Platzwarten vereinbart, die sich
damit einen erträglichen Nebenverdienst sicherten. Heutzutage ist das
selbstverständlich anders: Der Anschluß an den Hamburger Fußballverband
ermöglichte es der HFFG, alle Spiele über den Verband ANZUSETZTEN.
Insofern war man nicht mehr auf die wohlwollende Bereitschaft einzelner
Platzwarte oder Vereine angewiesen, um seine Interessen wahrnehmen zu
können. Auch wenn die HFFG bei der Platzvergabe noch einige
Einschränkungen unterliegt, so können beispielsweise keine Rasenplätze
genutzt werden oder es stehen nur bestimmte Tage zur Spielansetzung zur
Verfügung, hat sich die ständig wachsende Akzeptanz der HFFG besonders
auf diesem Gebiet deutlich niederschlagen. Die Bezirksämter als ein
politisches Ausführungsorgan und Dienstherren der staatlichen
Sportanlagen haben sich in diesem Zusammenhang als verläßlicher und
kooperativer Partner der HFFG erwiesen.
Innerhalb der HFFG hat sich die Wandlung zwangsläufig den Zeichen der
Zeit angepaßt: Waren es anfangs nur eine Handvoll Freizeitmannschaften,
die sich der HFFG anschlossen, stieg diese Quote ständig an und fand
Anfang der neunziger Jahre mit über neunzig Mannschaften ihren
Höhepunkt.
Danach war bis heute ein leichter Rückgang zu verzeichnen, der sich
vordergründig in der Sättigung des Bedarfs an Freizeitclubs begründet.
Es fand sozusagen eine gewisse Auslese statt, viele Teams konnten
aufgrund Spielermangels oder schlechter innerer Organisation nicht
überleben, denn die Anforderungen seitens der HFFG an diese Vereine sind
verständlicherweise auch gestiegen. Diese Auslese findet auch heute noch
statt, hat aber natürlich auch den Vorteil, daß sich dem Gesamtniveau
der HFFG sehr zuträglich ist.
Zusammenfassend bleibt festzustellen, daß sich in fünfundzwanzig Jahren
Hamburger Freizeitfußball die Anzahl der Aktiven wohl nicht bedeutend
verändert hat, wohl aber die Organisation bzw. die Umsetzung und damit
das Gesamtniveau.
Der Freizeitfußball ist längst zu einem festen, nicht mehr
wegzudenkenden Bestandteil der Hamburger Fußballszene geworden.
Die damalige HFTG startete im Jahre 1973 mit acht Vereinen.
Die Gründungsmitglieder hießen wie folgt:
SF SCHULTHEISS
FC JONNY
FC STEENBOCK
FC SACHSENWALD
FC KACHELKÜCHE
AC VENETIA
UNITED LEMON
TONNDORFER BURG
gez. der HFFG-Vorstand |
|
|